Giardien, Giardia Lamblia

Beschreibung

Giardia LambliaGiardien sind parasitisch lebende Einzeller (Protozoen) aus der Gruppe der Flagellaten. Flagellaten besitzen Geißeln zur Fortbewegung. Giardien besitzen vier Geißelpaare. Die birnenförmigen Trophozyten sind 11 - 19 µm lang und haben an der Unterseite eine Haftscheibe. Die Zysten hingegen besitzen eine ovoide Form mit einer Länge von 10 - 15 µm. (1 µm = 1/1000 mm). Die Zellkerne sind deutlich zu sehen. Dies sind zwei Kerne bei den Trophozyten und vier Kerne bei den Zysten.

Infektion

Giardia - ZysteDie Infektion erfolgt durch mit Zysten verunreinigtes Wasser oder Kotpartikel. Bereits zehn bis hundert Zysten genügen für eine erfolgreiche Infektion. Kotpartikel können bei der Katzenpflege oral aufgenommen werden. Nach der Aufnahme und der Passage durch den Magen schlüpfen im Darm aus jeder Zyste zwei Trophozyten. Diese sogenannte Exzystierung erfolgt durch eine Änderung des PH-Wertes und des Temperaturanstieges. Die Vermehrung der Giardien erfolgt durch Zweiteilung der Trophozyten.

Die Zeitspanne von der Infektion bis zum Auftreten von Zysten im Kot der Katze wird die Präpatenzzeit genannt und dauert bei Katzen fünf bis sechzehn Tage.

Symptome

Auffallend ist ein übelriechender intermittierender Durchfall mit Schleim- und eventuell auch mit Blutbeimengungen.

Leider ist es eine erschwerende Tatsache, dass es auch symptomlose Katzen mit Giardien gibt. Diese Katzen scheiden vom Besitzer unbemerkt Zysten aus. Eine Katze mit normalem Stuhlgang ist daher leider kein Garant für Giardienfreiheit.

Diagnose

Die Diagnose ist mittlerweile recht simpel. Sie können entweder eine Kotprobe beim Tierarzt abgeben. Alles weitere erledigt dann ein Labor. Eine gute Alternative sind Schnelltests. Erhältlich ist der SNAP® Giardia Test und der FASTest® GIARDIA Strip. Der FASTest kommt von der Firma MegaCor. Die Handhabung der Tests ist sehr einfach und die Ergebnisse besitzen eine sehr hohe Sensibilität und Genauigkeit.

Mit den Schnelltest besteht nun auch die Möglichkeit, Neuzugänge rasch und wiederholt auf Giardien zu testen und somit die Gefährdung des gesamten Bestandes zu minimieren.

Behandlung

Mit Metronidazol (Flagyl, Clont) und Fenbendazol (Panacur) stehen wirksame Medikamente für die Behandlung der Giardiose zur Verfügung. Alternativ stehen auch homöopatische Mittel und kolloidales Silber zur Auswahl. Die Wirksamkeit beider letztgenannten Mittel wird kontrovers diskutiert. Ebenso unterschiedlich sind auch die Erfolge.

Panacur ist im Grunde ein Entwurmungsmittel. Allerdings zeigt es bei der Behandlung von Giardien auch Erfolg. Die Dosierung beträgt 50mg/kg. Diese tägliche Dosis wird ein Mal am Tag für die Dauer von maximal fünf Tagen verabreicht. Danach wird eine Pause von drei Tagen eingeschoben und die Therapie nochmals zwei Mal wiederholt. Jeweils wieder von drei Tagen Pause unterbrochen.

Panacur nicht bei trächtigen Katzen anwenden!

Die Zysten sind sehr resistent gegen Umwelteinflüsse und können Temperaturen bis 60° Celsius überstehen. Daher kann ein Dampfreiniger bei der häuslichen Hygiene gute Dienste leisten. Einen Chloridgehalt von 0.5 mg/l Wasser können die Zysten auch mehrere Tage überleben. Diesen Sachverhalt bei der Desinfektion mit DanClorix nicht außer Acht lassen. Ganz wichtig ist, schlecht trocknende Wasserpfützen in Außengehegen zu beseitigen. Diese Pfützen können sonst ein Reservoir für Neuinfektionen sein. Und auch die Wassernäpfe sollten in kurzen Abständen mit kochend heißem Wasser ausgespült werden.

Die Katzentoiletten sollten während der Behandlung peinlichst sauber gehalten werden. Auch klumpende Katzenstreu sollte jetzt öfter als sonst gewechselt werden. Die Empfehlungen reichen von tägliches Wechseln der Katzenstreu bis jeden dritten Tag. Als Vorteilhaft hat sich eine weiße Katzenstreu erwiesen, da darin Verunreinigungen leichter erkennbar sind. Es werden nämlich bei der Behandlung nur die Trophozyten abgetötet. Die Zysten können nicht eliminiert werden. Diese werden mit dem Kot ausgeschieden und können wieder zu einer Neuinfektion führen.

Immer wieder hören wir auch Aussagen, Trophozyten würden sich in die Galle zurückziehen. Die therapeutischen Wirkstoffe von Metronidazol wurden auch in der Galle nachgewiesen.

Inwiefern Gartenteiche und Zimmerbrunnen eine Gefahr darstellen können, konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen. Tatsache ist, dass Zysten von Giardien im kühlen Wasser bis zu vier Monate überlebensfähig sind.

Gefahr für den Mensch

Die Giardiose ist eine sogenannte Zoonose. Das bedeutet, vom Tier auf den Mensch übertragbar. Daher kann sich auch der Mensch bei den Katzen anstecken. Stärker gefährdet sind aber nur Kinder und Menschen mit schlechtem Immunsystem. Wer grundlegende hygienische Maßnahmen beherzigt, braucht keine Angst zu haben, sich anzustecken.

Weiterführende Links

Quellen

Wikipedia, CliniPharm - CliniTox, Tropisches Institut Schweiz, Berliner Heilpraktiker Nachrichten, Pets on Tour

Der Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt.
Martin Burtscher, 01.06.2007

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